Fremde können heimlich deine Teams-Meetings betreten: So schließt du diese gefährliche Sicherheitslücke in 2 Minuten

Wer kennt es nicht: Man plant ein wichtiges Online-Meeting, hat die Agenda perfekt vorbereitet und plötzlich tauchen ungebetene Gäste auf, die das Meeting stören oder im schlimmsten Fall vertrauliche Informationen abgreifen. Dieses Phänomen, das als Zoombombing bekannt wurde, ist längst nicht mehr nur ein Problem von Zoom-Nutzern. Auch in Microsoft Teams können sich unerwünschte Personen Zutritt zu Besprechungen verschaffen, wenn die Sicherheitseinstellungen nicht korrekt konfiguriert sind.

Tatsächlich handelt es sich bei Zoombombing nicht um eine eigentliche Sicherheitslücke der Software, sondern vielmehr um ein Problem der Standardeinstellungen, die aus Gründen der Benutzerfreundlichkeit oft zu offen konfiguriert sind. Forschungen der Universitäten Binghamton und Boston University zeigen, dass die meisten Zoombombing-Vorfälle opportunistisch erfolgen, wobei etwa 93 bis 98 Prozent der Angriffe in Echtzeit stattfinden.

Die gute Nachricht: Microsoft Teams bietet umfangreiche Sicherheitsmechanismen, die solche Vorfälle wirksam verhindern können, wenn sie richtig konfiguriert werden. Das Problem liegt oft darin, dass viele Nutzer die standardmäßigen Einstellungen verwenden, ohne sich über die Konsequenzen im Klaren zu sein. In diesem Ratgeber zeige ich dir, wie du deine Teams-Meetings effektiv gegen Eindringlinge schützt.

Warum ist Zoombombing überhaupt möglich?

Bevor wir zur Lösung kommen, lohnt sich ein Blick auf die Ursachen. Meeting-Links sind im Grunde genommen digitale Türen zu virtuellen Räumen. Werden diese Links unachtsam geteilt – etwa in öffentlichen Social-Media-Posts, auf Screenshots oder in Gruppenchats mit vielen Mitgliedern – können sie in falsche Hände geraten. Manche Störenfriede durchsuchen gezielt das Internet nach solchen Zugangsdaten.

Ein weiteres Einfallstor entsteht, wenn die Meeting-Einstellungen zu permissiv konfiguriert sind. Seit April 2024 gibt es einen merklichen Anstieg von gezielten Phishing-Angriffen auf Microsoft Teams, durchgeführt von Ransomware-Gruppen wie Black Basta. Diese nutzen Meeting-Einladungen als Lockmittel, um Nutzer zu täuschen. Besonders bei sensiblen Themen – sei es ein Personalgespräch, eine strategische Planungssitzung oder ein Kundengespräch – kann dies verheerende Folgen haben.

Der digitale Empfang: So funktioniert der Wartebereich

Die effektivste Verteidigungslinie gegen unerwünschte Meeting-Crasher ist der Wartebereich in Microsoft Teams. Diese Funktion arbeitet wie ein virtueller Empfangsbereich: Niemand kommt direkt ins Meeting, sondern wartet zunächst, bis der Organisator ihn persönlich einlässt. Diese simple Maßnahme gibt dir die vollständige Kontrolle darüber, wer an deiner Besprechung teilnimmt.

Der Wartebereich funktioniert denkbar einfach: Wenn ein Teilnehmer dem Meeting beitreten möchte, erscheint er zunächst in einer Liste wartender Personen. Als Organisator oder Moderator erhältst du eine Benachrichtigung und kannst entscheiden, ob du die Person einlassen oder ablehnen möchtest. Diese Kontrollfunktion ist besonders wichtig, da Forschungen zeigen, dass herkömmliche Schutzmaßnahmen wie Passwörter bei Videokonferenzen oft nicht ausreichen.

Meeting-Optionen richtig konfigurieren: Schritt für Schritt

Die Aktivierung des Wartebereichs ist unkompliziert, erfordert aber ein paar bewusste Klicks. Der optimale Zeitpunkt für diese Konfiguration ist bereits bei der Meeting-Planung, aber auch kurz vor oder sogar während eines laufenden Meetings lassen sich die Einstellungen anpassen.

Für geplante Meetings

Öffne zunächst deinen Teams-Kalender und erstelle ein neues Meeting oder wähle ein bereits geplantes aus. Unterhalb der Teilnehmerliste findest du die Meeting-Optionen. Ein Klick darauf öffnet ein neues Fenster mit verschiedenen Sicherheits- und Zugriffseinstellungen.

Die entscheidende Einstellung trägt den Namen Wer kann den Wartebereich umgehen?. Diese Option bestimmt, wer direkt ins Meeting gelangen kann und wer warten muss. Hier hast du mehrere Möglichkeiten zur Auswahl:

  • Nur ich: Die restriktivste und sicherste Einstellung. Selbst Kollegen aus deiner Organisation müssen warten, bis du sie einlässt. Ideal für hochsensible Meetings.
  • Personen in meiner Organisation: Ein guter Mittelweg für interne Besprechungen mit gelegentlichen externen Gästen. Kollegen kommen direkt rein, Externe warten im Wartebereich.
  • Personen in meiner Organisation und Gäste: Weniger restriktiv, aber immer noch sicherer als komplett offene Meetings.
  • Jeder: Diese Einstellung solltest du nur in Ausnahmefällen verwenden, etwa bei großen öffentlichen Webinaren mit hunderten Teilnehmern.

Für maximale Sicherheit empfehle ich die Einstellung Nur ich oder Personen in meiner Organisation, je nach Art deines Meetings. Zusätzlich solltest du die Option Einwahl über Telefon kann den Wartebereich umgehen deaktivieren, um auch diese potenzielle Hintertür zu schließen.

Für Sofortbesprechungen

Auch bei spontanen Meetings, die du direkt aus einem Chat oder Kanal heraus startest, kannst du die Sicherheitseinstellungen anpassen. Klicke während des laufenden Meetings auf die drei Punkte im Menüband und wähle Meeting-Optionen. Die gleichen Einstellungen wie bei geplanten Meetings stehen dir zur Verfügung.

Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen für rundum geschützte Meetings

Der Wartebereich ist ein wichtiger Schutzmechanismus, aber Microsoft Teams bietet weitere nützliche Funktionen, die deine Meetings noch sicherer machen. Seit Oktober 2019 sind für neue Microsoft-Tenants sogenannte Security Defaults standardmäßig aktiviert, die eine Basis-Sicherheitsebene bieten. Dennoch solltest du zusätzliche Maßnahmen ergreifen.

Vermeide es unbedingt, Meeting-Links in öffentlich zugänglichen Bereichen zu posten. Untersuchungen zeigen, dass Cyberangriffe auf Microsoft Teams zunehmend gezielte Phishing-Techniken nutzen, bei denen Meeting-Einladungen als Lockmittel verwendet werden. Versende Einladungen stattdessen direkt über den Teams-Kalender oder per direkter Nachricht. Falls du einen Link weitergeben musst, nutze private Kanäle oder verschlüsselte E-Mails.

In den Meeting-Optionen kannst du festlegen, wer präsentieren darf. Die Einstellung Wer kann präsentieren? solltest du auf Nur Organisatoren und Co-Organisatoren oder Bestimmte Personen setzen. So verhinderst du, dass Störenfriede plötzlich ihren Bildschirm teilen und unangemessene Inhalte zeigen. Bei besonders sensiblen Meetings kannst du den Meeting-Chat einschränken oder die Option aktivieren, dass nur Organisatoren Nachrichten senden dürfen.

Sollte trotz aller Vorsichtsmaßnahmen jemand Unerwünschtes ins Meeting gelangen, kannst du diese Person jederzeit entfernen. Bewege dazu den Mauszeiger über den Namen in der Teilnehmerliste und klicke auf die drei Punkte. Wähle Aus Meeting entfernen, um die Person sofort zu entfernen.

Best Practices für sichere Team-Besprechungen

Technische Maßnahmen allein reichen nicht aus, besonders angesichts der Tatsache, dass Microsoft täglich etwa 600 Millionen Cyberangriffsversuche gegen seine Kundenbasis abwehrt. Etabliere in deinem Team oder deiner Organisation klare Richtlinien für Online-Meetings.

Benenne für wichtige Meetings einen Co-Moderator, der sich um die Zulassung wartender Teilnehmer kümmert, während du dich auf die Präsentation konzentrierst. Informiere Teilnehmer im Vorfeld, dass sie möglicherweise im Wartebereich warten müssen, damit niemand verwirrt ist. Prüfe kurz vor Meeting-Beginn noch einmal die Sicherheitseinstellungen – ein Blick in die Meeting-Optionen dauert nur wenige Sekunden, kann aber entscheidend sein.

Dokumentiere in sensiblen Bereichen wie HR oder Management die verwendeten Sicherheitseinstellungen als Standard-Konfiguration. So stellt ihr sicher, dass alle Kollegen das gleiche Sicherheitsniveau verwenden. Erwäge die Aktivierung von Multi-Faktor-Authentifizierung und bedingtem Zugriff für deine Organisation, um eine zusätzliche Sicherheitsebene zu schaffen.

Was tun, wenn doch etwas schiefgeht?

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kann es passieren: Ein Unbekannter gelangt ins Meeting. Bewahre Ruhe und handle entschlossen. Stoppe die Bildschirmfreigabe sofort, falls sensible Informationen sichtbar sind. Entferne die unbekannte Person über die Teilnehmerliste. Passe die Meeting-Optionen an, um weitere Eindringlinge zu blockieren. Bei Bedarf kannst du das Meeting auch komplett beenden und ein neues mit verschärften Sicherheitseinstellungen starten.

Dokumentiere den Vorfall, besonders wenn vertrauliche Informationen kompromittiert wurden. In Unternehmensumgebungen solltest du deinen IT-Administrator oder Datenschutzbeauftragten informieren. Bedenke dabei, dass auch nach korrekter Konfiguration gezielte Social-Engineering-Attacken eine Bedrohung darstellen können, insbesondere wenn Angreifer Teams für Phishing nutzen.

Mit den richtigen Einstellungen machst du deine Teams-Meetings zu einem sicheren Ort für produktive Zusammenarbeit. Der Wartebereich ist dabei eines deiner mächtigsten Werkzeuge – nutze ihn konsequent. Die paar zusätzlichen Sekunden beim Einlass von Teilnehmern sind eine minimale Investition für maximale Sicherheit. Die Kombination aus technischen Schutzmaßnahmen und bewusstem Umgang mit Meeting-Links schafft ein Sicherheitsniveau, das den heutigen Bedrohungen standhält. Deine Kollegen, Kunden und Partner werden es dir danken, wenn sie wissen, dass ihre Gespräche in einem geschützten Rahmen stattfinden.

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