Warum deine Telegram-Nachrichten unsicherer sind als du denkst – und wie du das sofort änderst

Viele Telegram-Nutzer wiegen sich in trügerischer Sicherheit. Die Messaging-App genießt einen exzellenten Ruf als datenschutzfreundliche WhatsApp-Alternative – doch bei genauerer Betrachtung offenbart sich eine Sicherheitslücke, die kaum jemand auf dem Schirm hat. Das Problem betrifft ausgerechnet eine der beliebtesten Funktionen: das Cloud-Backup.

Die unbequeme Wahrheit über Telegrams Verschlüsselung

Telegram bewirbt sich gerne mit starker Verschlüsselung und Privatsphäre. Was viele Anwender jedoch nicht wissen: Die standardmäßigen Chats verwenden keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Stattdessen verwendet Telegram MTProto-Verschlüsselung, eine Client-Server-Verschlüsselung. Das bedeutet konkret, dass eure Nachrichten zwar verschlüsselt übertragen werden, Telegram selbst aber theoretisch Zugriff auf die Inhalte hat.

Dieser Umstand wird besonders problematisch, wenn ihr die Cloud-Backup-Funktion nutzt. Denn hier speichert Telegram eure Chatverläufe, Medien und Dateien auf den eigenen Servern. Was als praktisches Feature gedacht ist – schließlich könnt ihr so von jedem Gerät auf eure komplette Nachrichtenhistorie zugreifen – wird zur potentiellen Schwachstelle für Nutzer mit erhöhtem Sicherheitsbedürfnis.

Warum Cloud-Backups ein Datenschutz-Dilemma darstellen

Die Crux liegt in der Architektur von Telegram. Anders als bei Signal oder den verschlüsselten WhatsApp-Chats werden eure normalen Telegram-Konversationen in der Cloud gespeichert. Das ermöglicht zwar eine nahtlose Synchronisation zwischen Smartphone, Tablet und Desktop, öffnet aber gleichzeitig potenzielle Angriffsvektoren.

Telegram betont zwar, dass die Daten auf verschiedene Rechenzentren weltweit verteilt sind und die Entschlüsselungsschlüssel separat aufbewahrt werden. Trotzdem bleibt die Tatsache bestehen: Bei einem Serverangriff, einer Datenpanne oder behördlichen Zugriffsanforderungen könnten eure Nachrichten prinzipiell einsehbar sein. Für Journalisten, Aktivisten oder einfach sicherheitsbewusste Nutzer ist das ein inakzeptables Risiko.

Pavel Durov, der Gründer von Telegram, hat allerdings mehrfach betont, dass das Unternehmen eher den Markt verlassen würde, als die Verschlüsselung durch Hintertüren zu unterminieren. Diese Haltung zeigt zumindest die prinzipielle Philosophie des Unternehmens in Bezug auf Datenschutz.

Der Unterschied zu anderen Messengern

Im Vergleich dazu setzt WhatsApp bei allen Chats auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung – selbst bei Cloud-Backups in iCloud oder Google Drive bietet die App mittlerweile optional verschlüsselte Backups an. Signal geht noch einen Schritt weiter und verschlüsselt lokale Backups standardmäßig mit einem Passwort. Telegram hingegen verlässt sich darauf, dass Nutzer aktiv die sicherere Option wählen.

Die Lösung: Geheime Chats als Sicherheitsnetz

Telegram bietet mit den sogenannten Geheimen Chats eine Funktion, die tatsächlich echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in Geheimen Chats implementiert. Diese speziellen Konversationen werden ausschließlich auf den beteiligten Geräten gespeichert und niemals in die Cloud hochgeladen. Hier funktioniert die Verschlüsselung nach dem Prinzip, dass nur Sender und Empfänger die Nachrichten entschlüsseln können – nicht einmal Telegram selbst hat Zugriff.

Die geheimen Chats bringen weitere Sicherheitsfeatures mit: Ihr könnt einen Timer für selbstzerstörende Nachrichten einstellen, die nach einer bestimmten Zeit automatisch gelöscht werden. Nachrichten aus geheimen Chats lassen sich nicht weiterleiten, und ihr werdet sogar informiert, wenn euer Chatpartner einen Screenshot macht. Der größte Unterschied aber: Geheime Chats sind gerätegebunden und existieren nur auf den Geräten, auf denen sie gestartet wurden.

So startet ihr einen geheimen Chat

Die Einrichtung ist denkbar einfach: Öffnet das Profil eures Kontakts, tippt auf die drei Punkte oben rechts und wählt „Geheimen Chat starten“. Ab diesem Moment laufen eure Nachrichten über eine separate, vollständig verschlüsselte Verbindung. Ihr erkennt geheime Chats an dem Schloss-Symbol neben dem Profilbild und der dunkleren Hintergrundfarbe.

Der Nachteil: Geheime Chats funktionieren nicht auf mehreren Geräten gleichzeitig. Startet ihr einen geheimen Chat auf eurem Smartphone, könnt ihr diesen nicht am Desktop-Computer fortführen. Das ist der Preis für maximale Sicherheit – die Nachrichten verlassen niemals das Ursprungsgerät in unverschlüsselter Form.

Alternative Strategie: Auf Cloud-Backups verzichten

Wenn euch die Einschränkungen der geheimen Chats zu umständlich sind, gibt es eine weitere Option: Deaktiviert die automatischen Cloud-Backups komplett. In den Telegram-Einstellungen unter „Daten und Speicher“ könnt ihr festlegen, welche Daten überhaupt gespeichert werden sollen.

Für sicherheitsbewusste Nutzer empfiehlt sich folgende Konfiguration: Setzt das automatische Herunterladen von Medien auf „Nie“, überprüft die Speichernutzung regelmäßig und löscht alte Medien, passt die Cache-Einstellungen an, damit Dateien nach kurzer Zeit automatisch entfernt werden, und erstellt manuelle Backups nur bei wirklichem Bedarf.

Diese Vorgehensweise schützt zwar nicht vor der grundsätzlichen Client-Server-Verschlüsselung, minimiert aber die Datenmenge, die auf Telegrams Servern landet. Kombiniert mit regelmäßigem Löschen alter Chats ergibt sich ein deutlich verbessertes Sicherheitsprofil.

Praktische Empfehlungen für den Alltag

Die optimale Strategie hängt von eurem individuellen Sicherheitsbedürfnis ab. Für den durchschnittlichen Nutzer, der hauptsächlich mit Freunden und Familie chattet, mag die Standard-Verschlüsselung ausreichen. Doch sobald sensible Informationen ausgetauscht werden – berufliche Details, finanzielle Daten oder persönliche Geheimnisse – solltet ihr auf geheime Chats umsteigen.

Ein hybrider Ansatz macht für viele am meisten Sinn: Nutzt normale Chats für alltägliche Konversationen und aktiviert geheime Chats gezielt für vertrauliche Themen. So profitiert ihr von der Bequemlichkeit der Cloud-Synchronisation, ohne bei wichtigen Gesprächen Kompromisse bei der Sicherheit einzugehen.

Was Telegram verbessern könnte

Es wäre wünschenswert, wenn Telegram Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zum Standard macht – zumindest als Option für alle Nutzer. Die Technologie ist vorhanden, wie die geheimen Chats beweisen. WhatsApp hat gezeigt, dass sich vollständige Verschlüsselung auch bei hunderten Millionen Nutzern umsetzen lässt, ohne die Benutzerfreundlichkeit zu beeinträchtigen.

Bis dahin liegt es an euch, die verfügbaren Werkzeuge bewusst einzusetzen. Telegram bietet mächtige Datenschutz-Features – man muss sie nur kennen und aktivieren. Die automatische Cloud-Speicherung mag verlockend sein, doch wer seine Privatsphäre wirklich schützen will, sollte die Kontrolle über seine Daten behalten. Das bedeutet konkret: Bewusst entscheiden, was in der Cloud landet und was besser lokal auf dem Gerät bleibt.

Welche Telegram-Chats nutzt du für sensible Informationen?
Nur geheime Chats
Normale Chats reichen mir
Wusste nicht vom Unterschied
Bin jetzt zu WhatsApp gewechselt
Telegram nutze ich gar nicht

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